Kinotipp: Der richtige Film zu rechten Zeit

06. Oktober 2017 18:25 Michael Eckert Ausgehen,Festivals,Film , Keine Kommentare

„Human Flow“, Dokumentarfilm von Ai Weiwei, Deutschland 2017

Weltweit sind derzeit mehr als 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Sie müssen ihre Heimatländer verlassen, weil dort Krieg herrscht, sie politisch oder ethnisch verfolgt werden – oder weil ihnen das eigene Land keine ausreichende Existenzgrundlage bieten kann (das böse Wort „Wirtschaftsflüchtlinge“ ist schon deswegen so diffamierend, weil Menschen keine andere Wahl als Flucht bleibt, wenn sie zuhause keine Nahrung und kein Trinkwasser mehr vorfinden. Auch Hunger und Durst sind Fluchtgründe, hinter denen meist geopolitische Mechanismen stecken.)

Der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei weiß um politische Drangsalierungen. In seinem Werken dokumentiert er seit Langem den sozialen und ökonomischen Wandel in China, was ihm immer wieder Repressalien durch die dortigen Behörden einbringt und was ihn dazu zwingt, großenteils in anderen Ländern zu arbeiten – sowie seit zwei Jahren im Exil zu leben. Ai Weiwei hat eine Gastprofessur an der Berliner Akademie der Künste, und auch sein neuer Film „Human Flow“ ist eine deutsche Produktion. Für den Film hat Ai Weiwei ein Jahr lang die Flüchtlingsströme in 23 Ländern mit der Kamera begleitet und daraus einen Dokumentarfilm über die Motive der Flüchtlinge gemacht, der ihre Situation schildert und in dem einige von ihnen ihre Ängste, Hoffnungen und Wünsche formulieren. In eindrücklichen Bildern macht der Künstler – selbst ein Flüchtling, wenn auch ein privilegierter – die Not der Getriebenen erfahrbar; aber auch den Verlust, den Menschen erleiden, wenn sie ihr Zuhause unter Bedrohung ihres Lebens verlassen müssen. Uns Deutschen zeigt „Human Flow“ aber auch, dass die hierzulande so intensiv diskutierte „Flüchtlingskrise“ nur die Spitze eines Eisbergs ist. Der richtige Film zur rechten Zeit.

Michael Eckert

 

Beitrag zum Filmfest

Beitragsbild: ©2017 NPF Human Flow UG


Kategorie:
Ausgehen, Festivals, Film
Autor:
Michael Eckert am 6. Oktober 2017 um 18:25
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