Pressekonferenz: Der FC St. Pauli resümiert zum Saisonabschluss

14. Mai 2018 21:58 Mario Kraft Aktuelles,Events,Fußball,St. Pauli , , Keine Kommentare

Von links: Pressesprecher Christoph Pieper, Sportchef Uwe Stöwer, Trainer Markus Kauczinski. In der Pressekonferenz zeigt sich das Team um Kauczinski nachdenklich und selbstkritisch

Auf der Pressekonferenz zum Saisonabschluss gab sich der FC St. Pauli selbstkritisch aber zuversichtlich. Trainer Markus Kauczinski und Sportchef Uwe Stöver standen Rede und Antwort.

Montag, 12:15 Uhr – bei herrlichstem Wetter trudeln nach und nach die Reporter bei der Trainingsanlage FC St. Pauli an der Kollaustraße ein. Erstes Gesprächsthema vor dem offiziellen Beginn der Pressekonferenz: Lassen wir die Eingangstür geöffnet? In dem kleinen und gut gefüllten Presseraum staut sich sicher schnell die Luft, aber draußen dröhnen immer wieder die in Hamburg-Fuhlsbüttel landenden Flugzeuge. Man gewährt der Qualität der Tonaufzeichnung Vorrang und die Tür wird geschlossen.

Pünktlich um 12:15 Uhr betreten Trainer Markus Kauczinski, Sportchef Uwe Stöver und Pressesprecher Christoph Pieper den Raum und stellen sich zum Saisonabschluss den Fragen der Presse. Zunächst wird sich jedoch für die „nicht immer leichte“, aber gute Zusammenarbeit bedankt. Die Atmosphäre ist entspannt.

Auf Nachfrage beginnt Kauczinski mit einem umfänglichen Resümee der Saison: Eine Achterbahnfahrt mit vielen guten Spielen, aber auch Auftritten, die nicht zufrieden stellten. Er wolle nichts beschönigen, verweist aber auch auf die besonderen Herausforderungen. Die 2. Bundesliga sei in diesem Jahr besonders eng gewesen und das Verletzungspech außergewöhnlich umgreifend.

Mario Kraft Hamburg City Webguide (HCWG):   Der Abstiegskampf hat sich dieses Jahr bis zum letzten Spieltag sehr weit nach oben in die Tabelle gezogen. Wie handhabt man dieses Wechselbad der Gefühle als Trainerteam? Wie stellt man die Spieler darauf ein, dass man eigentlich doch oben dabei ist und plötzlich um den Klassenerhalt kämpfen muss?

Sportchef Uwe Stöver:   Wenn man in der zweiten Liga ist – und wir sind da auch schon ein bisschen erfahren – dann weiß man, was da alles passieren kann. In einer Saison war zum Beispiel Würzburg in der Hinrunde auf dem vierten oder fünften Platz, ist dann abgestiegen. Und es gab Saisons, da war St. Pauli unten weit abgeschlagen und beendete wiederrum die Spielzeit auf dem vierten oder fünften Platz. Die Geschichte zeigt einem, dass alles möglich ist, dass man sich nie zurücklehnen darf. Das versuchen wir, den Spielern zu vermitteln. Sie müssen immer auf der Hut sein.

Analyse der vergangenen Saison

Die Frage nach einem bevorstehenden Umbruch dementiert Stöver. Zurecht fragt er zurück, ab wann man denn von einem Umbruch sprechen könne. Auf jeden Fall stehe jetzt eine detaillierte Analyse der vergangenen Spiele bevor. Dabei gehe es um das Entwicklungspotenzial der vorhandenen Spieler, aber auch um die Auffrischung des Kaders durch Neuzugänge. Man sehe in alle Richtungen. Eine Formulierung, die in dieser Pressekonferenz öfters fällt.

Trainer Kauczinski ergänzt, dass es wichtig sei, die allgemeine Gesundheit der Mannschaft auf ein Niveau zu bringen, damit ein erlebtes Maß an Verletzungen in der kommenden Saison ausgeschlossen werden könne. Es werde auch hier eingehende Analyse betrieben.

HCWG:   Wie ist denn dort die Handhabe über die Spieler, abseits von – nennen wir mal die Klischees – Ernährungs- und Fitnessplänen die spielerische Gesundheit zu beeinflussen?

Stöver:   Wir denken im Moment in alle Richtungen und wollen uns verbessern. Wir wollen an Stellschrauben drehen und wollen das Potenzial ausschöpfen. Dabei geht es sowohl in den Bereich Ernährung als auch in eine intensivere Trainingsvor- und -nachbereitung. Wir gehen noch mehr in die Prophylaxe und in die Stabilisierung, um letztendlich das zu tun, was man machen kann.

Rasenheizung für die Kollaustraße in Planung

Einen wichtigen Punkt der Saisonvorbereitung bezog Stöver auch auf das Trainingsumfeld. So habe der FC St. Pauli vorwiegend auf Kunstrasen trainiert. Das habe Sehnen- und Muskelprobleme gefördert. Konkurrierende Clubs würden dagegen auch auf Rasen mit Rasenheizung trainieren, was den realen Spielbedingungen am Wochenende viel mehr entspreche. Da müsse also bei der Infrastruktur nachgebessert werden.

HCWG:   Ist das denn bisher eine Frage des Budgets gewesen, oder gab es dafür andere Gründe? 

Stöver:   Solche umfassenden Änderungen können wir nicht während der Runde machen, denn Rasen bedeutet Wachstum und Wachstum bedeutet Zeit. Dazu müssen über 12 °C und Sonnenschein gegeben sein. Deshalb finden derartige Änderungen in der Sommerpause statt. Wir sind aber an dem Thema dran und kümmern uns dabei in erster Linie um den Rasenplatz mit den Idealmaßen (105×68 m) direkt an der Kollaustraße. Das ist jedoch keine Kostenfrage, sondern es geht darum: Wie bringen wir das jetzt schnellstmöglich zu Ende? Dabei kalkulieren wir mit einem Kostenrahmen zwischen 450.000 und 500.000 Euro für eine Rasenheizung und entsprechende Nacharbeiten.

Mittlerweile ist das Raumklima nicht mehr auszuhalten und in kurzen Schüben werden Frischluft und Fluglärm in durch die Tür gelassen. Ich beobachte die Atmosphäre. Auf viele Fragen antwortet der Sportchef. Auch Kauczinski steht Rede und Antwort, wirkt abseits seiner Sprechzeiten jedoch sehr nachdenklich und blickt durch die Fensterfront ins Grüne.

Noch keine konkreten Aussagen zur Transferpolitik

Zurück zum Kader. Bei Fragen nach einzelnen Positionen und Personalien wird eher offen geantwortet. So auch bezüglich der Neubesetzung der frei gewordenen Position des spielführenden Innenverteidigers Lasse Sobiech, welcher zum abgestiegenen 1. FC Köln wechselt.

Auch bezüglich Transfers und Spielerverträgen verweigert das Trainerteam die Wahrsagerei. Man sei aber natürlich stets auf der Suche nach der Eier legenden Wollmilchsau.

Betrachtet man die individuellen, teils schwachbrüstigen Leistungen einzelner Spieler, so ist vielleicht eher mit einer Eier habenden Wollmilchsau geholfen.

Generell sei man auch dabei junge Talente aufzubauen. Diese seien zwar noch etwas schmal auf den Lippen, hätten sich aber zum Teil schon im Hauptkader bewährt und definitiv Potenzial. Damit meint das Trainerteam konkret Nachwuchsspieler wie Stürmer Jan-Marc Schneider, das koreanische Abwehrtalent Yiyoung Park sowie Mittelfeldspieler Ersin Zehir.

Immer wieder Appelle an die Motivation der Mannschaft

Als besondere Herausforderung wurde auch herausgearbeitet, dass wiederholt an die Einstellung und die Motivation der Mannschaft appelliert werden müsse. Dabei sei jeder Spieler ein eigener Charakter und müsse auf anderen Wegen erreicht werden.

Der Sportchef schildert hierzu die Situation nach dem Regensburg-Spiel:

Stöver:   Spätestens hier standen wir wirklich kurz vor dem Abgrund. Ich hatte das Gefühl: Jetzt sind wir richtig am Ar***, jetzt hat es wirklich jeder erkannt. Das war eigentlich der Wendepunkt, da sind unsere Weckrufe angekommen und alle haben sich in sehr intensiven Wochen noch einmal zusammengerauft. 

HCWG:   Wie reflektieren denn jetzt ganz frisch die Spieler von sich aus die Saison?

Stöver:   Wir haben jetzt noch nicht mit jedem einzelnen Spieler Gespräche geführt, aber ich glaube – und das habe ich auch schon heute Morgen zur Mannschaft gesagt – man hat nun gesehen, was wir brauchen, um erfolgreich zu sein. Das haben wir jedoch über weite Teile vermissen lassen. Natürlich hatte das Team für sich selber auch einen anderen Anspruch, was die Saison betrifft. Die Mannschaft ist selbstkritisch und ebenfalls enttäuscht. Die mangelnde Konstanz haben wir uns jedoch alle anzukreiden, da nehme ich auch mich nicht aus. Wir hatten zu wenig Ergebnisse, die man auch mal greifen konnte.

Mehr Konstanz in der sportlichen Leistung

Markus Kauczinski fährt noch fort, dass das Hauptziel sei, an der Konstanz der Mannschaft zu arbeiten. Es sei schwierig, über die Zufriedenheit zur Saisonleistung pauschal zu urteilen. Es sei auch schwer, das an einem bestimmten Tabellenplatz auszumachen. Er betont nochmals, wie dicht die Platzierungen in diesem Jahr beisammen waren. Aber man könne definitiv nicht mit jedem Spiel zufrieden sein.

Ein weiteres Thema sind die neuen Teams in der zweiten Bundesliga. Mit dem HSV und dem 1. FC Köln kämen zwei Brocken runter (der Klassenerhalt bzw. Abstieg des VfL Wolfsburg steht noch aus). Es sei aber immer schwer gewesen, deshalb sei eigentlich egal, wer in der zweiten Liga mitmischt. Aber man wolle als FC St. Pauli auch im Wettbewerb mit Vereinen mithalten, die zum Beispiel höhere Etats und andere Möglichkeiten haben. Man müsse sich zusammenraufen und einen gemeinsamen Weg beschreiten.

Ob sich das Team schon auf die Duelle gegen den HSV freue, wird augenzwinkernd und doch bestimmt abgewunken. Die neue Saison stehe noch lange nicht im Fokus.

Trainingstermine und Saisonvorbereitung

Abschließend werden noch die Trainingstermine verkündet. Nach der Teilnahme am „Congstar Kiez Kicker-Turnier“ am 24. Juni 2018 werde am 25. Juni wieder ins Training eingestiegen. Zu 99 % sei man mit der Terminplanung schon fertig. Das Trainingslager werde vom 10. Juli bis zum 19. Juli 2018 in Maria Alm stattfinden. Als erster Spieltag der neuen Zweitligasaison wird noch der 3. August 2018 genannt.

Danach bedankt sich das Team bei den Medienvertretern und beendet die PK.

Wir dürfen gespannt sein, was sich über die Sommerpause alles ergibt und ob die richtigen Stellschrauben gedreht werden. Welches Saisonziel wird sich der Kiez-Club dann stecken? Welche Veränderungen werden am Kader vorgenommen? Gelingt es, ein geschlossenes Team zu formen? Der Hamburg City Webguide bleibt natürlich für euch am Ball und wird davon berichten.

 

Für euch bei der Pressekonferenz: Mario Kraft

Foto von links: Pressesprecher Christoph Pieper, Sportchef Uwe Stöver, Trainer Markus Kauczinski. In der Pressekonferenz zeigt sich das Team um Kauczinski nachdenklich und selbstkritisch

 

Foto © Mario Kraft, Hamburg City Webguide


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Aktuelles, Events, Fußball, St. Pauli
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Mario Kraft am 14. Mai 2018 um 21:58
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