Nadal gewinnt am Hamburger Rothenbaum

02. August 2015 20:25 Mario Kraft Tennis , ,

Die bet-at-home-Open  gingen am Sonntag mit einem fulminanten Finale zu Ende. Highlight war natürlich das Einzelfinale zwischen dem Italiener Fabio Fognini und der ehemaligen Nummer Eins der Weltrangliste Rafael Nadal. Aber auch die Doppel-Konkurrenz hatte ein spannendes Endspiel mit hochkarätigen Teilnehmern zu bieten.

Und was machte das Hamburger Wetter?  Sturmböen, Platzregen und herbstliche Kälte waren Begleiterscheinungen des Turniers zum Anfang der Woche. Matches wurden oft nur auf dem überdachten Center Court ausgetragen.

Rafael Nadal fragte sich anfangs, wie warm es wohl gerade auf Mallorca sei. Aber auch mit Regenfrust ebnete er sich den Weg ins Endspiel. Zum Wochenende wechselte dann die Wetterlage. Dies führte nicht zuletzt auch zu besserer Stimmung bei dem Spanier. Es war ein herrlicher Vormittag, als um 11 Uhr der Letzte Tag des größten Tennisturniers Deutschlands eingeleitet wurde. Die Sonne hatte bereits die meisten Wolken verpufft und bei angenehmen Temperaturen über 20 Grad ließ es sich wunderbar aushalten.

Sieger im Doppel Murray und PierceAd eins wurde die das Doppel ausgetragen – mit erstaunlich vielen Zuschauern, denn normalerweise ist bei Doppel-Spielen der Andrang eher gemäßigt. Doch an der Hallerstraße war prima Stimmung. Dies lag wohl auch daran, dass eine Paarung antrat, die vor einigen Wochen noch das Wimbledon-Finale bestritten hat. Die Rede ist von dem Australier John Peers und von Jamie Murray, dem Bruder des britischen Superstars Andy Murray. Sie mussten sich gegen das kolumbianische Duo bestehend aus Juan Sebastian Cabal und Robert Farah beweisen.

Der erste Satz ging recht klar 2:6 an die Südamerikaner. Die Cabal und Farah waren gut aufeinander abgestimmt und leisteten am Netz wie an der Grundlinie solide Arbeit. Der zweite Satz verlief allerding zu Gunsten von Murray/Peers. Relativ früh gelang das Break, sodass der Durchgang mit 6:3 ausging. Nach Doppel-Regeln wird der entscheidende Satz als Match-Tie-Break ausgespielt. Hier waren die Kontrahenten wieder dichter beieinander. Doch nach einer Stunde und 15 Minuten gewann das britisch-australische Team mit 10:8 das Match und das Turnier. Die Siegerehrung wurde zügig aufgebaut. Turnierdirektor Michael Stich bedankte sich bei dem Publikum für das zahlreiche Erscheinen. Dem pflichteten auch Murray und Peers bei und lobten die Turnierorganisation und natürlich ihre Gegner, die auf Augenhöhe gekämpft haben. Belohnung für ihren Sieg war der schiffsschraubenförmige Pokal sowie eine schicke Uhr vom Turnier-Sponsor Citizen für jeden. Dazu kommen reichliche Punkte in der Doppel-Rangliste. Sicher eine gute Entschädigung dafür, dass sie sich an der Church Road im Finale geschlagen geben mussten.

Anschließend war eine Viertelstunde Pause. Um 12:45 Uhr war das Stadion mit 7.500 Zuschauern ausverkauft und voll besetzt. Für jede Person, die Tennis und dieses Turnier liebt und die um den unsicheren Status nach 2018 weiß, ist dieser Anblick eine Augenweide. Spekulationen über ein Ende nach 2018 oder eine Umstellung auf Hartplatz-Belag (so hatte es Claus Retschitzegger von Geldgeber bet-at-home schon einmal thematisiert) lassen sich nur Abwenden, wenn weiterhin so viele Tennis-Begeisterte beweisen, dass das Turnier ideal so ist, wie es schon seit 1892 ausgetragen wird. Rothenbaum auf roter Asche – Hauptsponsor hin oder her!

Die Stimmung kochte natürlich besonders auf, als die Einzelfinalisten auf den Platz kamen, begleitet von jeweils einem „Children for Champions“-Kind – einer langen Rothenbaum-Tradition.

Turnierdirektor Michael Stich

Turnierdirektor Michael Stich

Wie war die Ausgangslage vor dem Spiel? Nadal hat sich am Morgen mangels Partner mit Michael Stich persönlich warmgeschlagen. Fabio Fognini hatte auf seinem Weg ins Finale zwei Sätze verloren. Noch einen weniger gab sein Gegner Nadal in der ersten Runde an seinen Landsmann Fernando Verdasco ab. Im Jahresverlauf unterlag er jedoch schon zwei Mal dem Italiener. Ein Angstgegner Nadals also? Damit sollte man immer vorsichtig sein im Tennis. Der Sport ist mehr als viele andere stark abhängig von der Tagesform, der Mentalität. Und die kann selbst während des Matches mehrmals umschlagen. Es ist also immer offen, so auch in diesem Endspiel.

 

 

Fabio Fognini

Fabio Fognini

Zu Beginn schien keiner der beiden so recht ins Spiel zu kommen. Vier Breaks in Folge führten zu einem Stand von 2:2. Dann ging es umgekehrt. Auf einmal liefen die eigenen Aufschlagspiele stabiler und keiner konnte einen klaren Vorsprung ausarbeiten. Ein wenig fokussierter wirkte Fognini. Mit einem guten Treffpunkt und leichtfüßiger Beinarbeit konnte er mächtig Druck gegenüber Nadal aufbauen. Doch ihm unterliefen auch einige Fehler ohne Not, die den Spanier im Spiel hielten. Dieser wiederrum hatte scheinbar mit kleineren Timing-Problemen zu kämpfen. Bei dem Versuch, dem Ball ordentlich Spin zu verpassen schleuste sich der eine oder andere Rahmentreffer ein. Doch zunehmend wurde klar, was einen langjährigen Spitzenspieler ausmacht. Er ließ sich nicht unterkriegen. So gewann er den ersten Satz mit 7:5 – nach eineinhalb Stunden. Mittlerweile strahlte die Sonne mit voller Kraft auf durch das geöffnete Dach.

Nadal im Streit mit Fognini

Nadal im Streit mit Fognini

Der Zweite Satz wurde eröffnet und schnell wurde klar, dass es knapp weitergehen würde. Zwar führte Nadal zwischenzeitig mit 3:1, doch sein Gegenspieler fand direkt den Anschluss. Während dieses Duells bewies Fognini sein gewohnt italienisches Temperament und fing an, sich während eines Seitenwechsels über Nadal zu beschweren. Dieser würde ihn in seinem Rhythmus stören. Aber ist das nicht der Sinn in einem Tennismatch? Naja, interessant war der kleine Zwist. Wobei das Spiel auch so bestens unterhielt. Nach spektakulären Ballwechseln stand es wieder 5:5. Und auch dieses Mal bewies der spanische Linkshänder seine Nervenstärke und setzte sich durch. Erneut mit 7:5 hieß es dann Spiel, Satz und Sieg für Nadal, der damit zum zweiten Mal am Hamburger Rothenbaum einen Turniersieg einfahren konnte.

Mit einem emotionalen Kniefall feierte Rafa seinen Triumph. Das Stadion stand Kopf und auch in der Box von Nadal gab es stehende Ovationen von seinen Angehörigen, darunter Tony Nadal. Der Onkel und Trainer von dem gebürtigen Mallorquiner war ebenso stolz, wie seine beiden Söhne. Auch Nadals Cousins haben die Zeit ihn Hamburg genutzt und intensiv für ein bevorstehendes Turnier trainiert. Vielleicht treten sie ja in ein paar Jahren die Nachfolge des Sandplatz-Königs an? Der iberische Nachwuchs schläft nicht…

Personen von rechts - Turnierdirektor Michael Stich, Detlev Hammer (Hamburg sports & entertainment GmbH), Michael Neumann (Senator für Inneres und Sport in Hamburg), Rafael Nadal, Claus Retschitzegger (bet-at-home), Fabio Fognini

Personen von rechts – Turnierdirektor Michael Stich, Detlev Hammer (Hamburg sports & entertainment GmbH), Michael Neumann (Senator für Inneres und Sport in Hamburg), Rafael Nadal, Claus Retschitzegger (bet-at-home), Fabio Fognini

Auch die Siegerehrung für Nadal wurde routiniert aufgebaut. Erneut bedankte sich Michael Stich, der 1993 selber schon als letzter Deutscher das Turnier gewonnen hatte, beim Publikum, bei Detlev Hammer von der Hamburg sports & entertainment GmbH, beim Hauptsponsor bet-at-home, bei allen Beteiligten der Organisation sowie der ATP. Der Hamburger Senator für Inneres und Sport Michael Neumann lobte ebenfalls die Sportbegeisterung der Fans und warb im Zusammenhang damit für die Austragung der Olympischen Spiele 2024 in Hamburg.

Nadal bekommt bei der Siegerehrung einen Krampf

Nadal bekommt bei der Siegerehrung einen Krampf

Dann kamen die Finalisten zu Wort. Fabio Fognini schien sich von der Niederlage nicht allzu sehr bedrücken zu lassen und genoss den verdienten Jubel der Zuschauer. Rafael Nadal war gewohnt schüchtern und sympathisch. Er betonte, dass er sich in der Woche sehr wohl gefühlt hat. Ein gutes Abschneiden war ihm ein großes Anliegen, aber der Turniersieg machte ihn besonders glücklich. Und wie er gerade seine Dankesrede hielt, bekam er plötzlich einen Krampf im Bein. Diese ungewollte Showeinlage sorgte beim Publikum für Belustigung, denn Nadal nahm es mit Humor und nahm gelassen, dass er ein gutes Fotomotiv abgab – oben mit Pokal und Siegerlächeln, unten mit Physiotherapeut, der im den Krampf wegmassierte. Zum Abschluss gab es noch Autogramme und Selfies  für die großen und kleinen Fans des Spaniers.

Ein sehr amüsanter Abschluss eines grandiosen Finalsonntags. Man kann nur hoffen, dass dieses traditionsreiche Turnier der Hansestadt – so wie es ist – noch lange erhalten bleibt.

 

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