Schulsenator Ties Rabe: Kein verkrampfter Patriotismus an Schulen

26. August 2016 18:46 contrast media Aktuelles

Abgesehen davon, dass man über den Sinn und Unsinn streiten kann, allgemeine Verbote für etwas zu schaffen, was derzeit Einzelfälle betrifft, muss man sich fragen, ob die derzeitigen Diskussionen um Burkini und morgendliches Fahnenhissen an Schulen nicht von den wirklichen Problemen ablenkt und IS und Co nicht damit schon ihr Ziel erreicht haben. Wir befassen uns mit Dingen, die sich in der Vergangenheit bereits als katastrophaler Irrweg.erwiesen haben. Dabei ist es elementar wichtig, sinnvolle Lösungen zu finden, die das Zusammenleben verschiedener Kulturen in einer Stadt fördern.

Integration ist nur in einer toleranten Gesellschaft möglich, in der die Menschen beiderseitig den Willen zeigen, aufeinander zuzugehen. Dass es in bestimmten Situationen wie an einer Schule nicht förderlich ist, wenn sich eine Schülerin hinter einer Burka verbirgt, sagt eigentlich schon der gesunde Menschenverstand.

Ein Burkini sollte an einer Schule außer im Schwimmunterricht eher die Ausnahme darstellen. Außerdem ist ein Burkini keine Burka. Mag sein, dass sich der Eine oder Andere davon “gestört fühlt”, aber wir liegen auch nicht mit einem Burkini gekleidet am Strand eines islamisch geprägten Urlaubslandes. Natürlich ist es das Ziel, dass sich Frauen nicht mehr hinter einem Schleier verstecken müssen. Das ist aber ein Prozess und braucht Zeit.

Schulsenator Ties Rabe hat eine eindeutige Stellungnahme zu diesen Themen abgegeben, die wir hier ungekürzt veröffentlichen:

“Die Debatte über das Burka-Verbot wundert mich. Das Burka-Verbot an den Hamburger Schulen habe ich bereits 2013 durchgesetzt. Denn ich sage sehr klar: Erziehungs- und Bildungsprozesse an unseren Schulen können nur dann erfolgreich gelingen, wenn Schüler und Lehrer ihr Gesicht zeigen. Erfolgreiche Kommunikation braucht Gesicht und Mimik.

Überdies leuchtet es mir überhaupt nicht ein, warum junge Frauen ihre Individualität hinter einem Schleier verstecken müssen, während junge Männer das nicht tun. Die Erziehung zur Gleichberechtigung ist ausdrücklich im Hamburger Schulgesetz verankert – und wir nehmen das sehr ernst. Entsprechend konsequent gehen wir seit Jahren gegen die Burka vor. Bislang haben wir das Verbot gegenüber vier Schülerinnen ohne Abstriche durchgesetzt. So werden wir auch weiterhin handeln.

Etwas anderes ist es mit der Forderung, Schulen sollten morgens die deutsche National-Hymne abspielen und die deutsche Fahne hissen. Diese Tradition mag es in einigen Ländern geben. Aber in Deutschland wie in Hamburg haben wir seit langer Zeit einen gelassenen, entspannten und unaufgeregten Umgang mit unseren nationalen Symbolen entwickelt. Das hat unserem Land und unserer Stadt gut getan, und darauf können wir heute nach vielen Irrungen und Verfehlungen in der deutschen Geschichte stolz sein. Ich wünsche mir deshalb sehr, dass wir uns jetzt nicht durch Flüchtlingsdebatte einen verkrampften Patriotismus mit Fahnenappell und Hymnenzwang an den Schulen aufzwingen lassen, sondern unseren guten und unaufgeregten Umgangsstil beibehalten.“