Filmfest Hamburg: „Nice Girls Don’t Stay for Breakfast“

04. Oktober 2018 18:28 Michael Eckert Aktuelles,Festivals,Film,Kino,Kultur,Veranstaltungen ,

Eine bemerkenswerte Filmbiografie von Robert Mitchum

Der Fotograf und Dokumentarfilmer Bruce Weber bringt eine späte Hommage an den großen Hollywoodschauspieler Robert Mitchum auf die Festivalleinwand.

Robert Mitchum gehört zu den prägnantesten Charakterköpfen aus Hollywoods Goldener Ära. Ob als unberechenbarer Bösewicht wie in „Die Nacht des Jägers“ oder „Ein Köder für die Bestie“, als viriler Held in „Fluss ohne Wiederkehr“ oder „Der Seemann und die Nonne“ oder als Ikone des Film noir wie in „Out of the Past“ oder „Engelsgesicht“: Mitchum drückte jedem Charakter seinen unverwechselbaren Stempel auf.

Der Fotograf und Dokumentarfilmer Bruce Weber widmet dem 1997 verstorbenen Filmstar nun eine bemerkenswerte Filmbiografie. Besonders auch dadurch, dass dieses Porträt mehr als zehn Jahre nach dem Tod Robert Mitchums herauskommt. Weber hat den Star noch ausführlich mit der Kamera begleitet, ihn unter anderem bei Aufnahmen zu einem Album mit Rickie Lee Jones und Marianne Faithfull zeigt. Der Titel des Films, „Nice Girls Don’t Stay for Breakfast“ stammt aus einem Song von Julie London, mit der Mitchum ebenfalls gedreht hat. Eine von vielen Leading Ladys, die dem seltsamen Charme dieses zurückhaltenden Mannes mit der übergroßen Präsenz erlegen sind.

Die Faszination eines widersprüchlichen Charakters

Einige von ihnen kommen im Film zu Wort oder sind Teil der Doku, wie Polly Bergen oder Frances Fisher – letztere hat vor der Kamera einen heftigen Flirt mit dem alten Mitchum. Und es sprechen Schauspielerkollegen wie Clint Eastwood, Benicio del Toro oder Johnny Depp: Sie alle schildern Mitchum als extrem cool, unbeugsam, taff, aber auch schüchtern und beseelt von einer großen Herzlichkeit, die er immer hinter einer harten Schale zu verbergen suchte. Als Teenager ein Ausreißer und später wegen eines Drogendelikts zu einer Geldstrafe verurteilt, war Mitchums Lebensweg alles andere als glatt verlaufen. Dass er nur Schauspieler geworden ist, um nicht arbeiten zu müssen, ist nur eine den von vielen Legenden um den stets so abgeklärt erscheinenden, und dabei so zurückhaltenden Star.

Bruce Weber arbeitet mit seinem Film heraus, dass es gerade diese Brüche und die Widersprüchlichkeit sind, die den Menschen wie auch den Schauspieler Robert Mitchum so anziehend und faszinierend macht. Ein sehr sehenswertes Porträt eines großen Schauspielers, das man im regulären Kino wohl niemals wird sehen können.

„Nice Girls Don’t Stay for Breakfast“ läuft bei Filmfest Hamburg noch einmal am morgigen Freitag, den 5. Oktober, um 21.45 Uhr im Metropolis-Kino am Dammtor in einer Wiederholungsvorstellung.

Trailer: Athens International Filmfestival

Foto: copyright Little Bear Inc.