Amsel-Thrill

01. April 2021 06:46 Mario Kraft Aktuelles

Der Amsel-Thrill (auch Amsel-Flash) ist ein Phänomen im Straßenverkehr, welches dem Menschen vor allem auf Rad-, Kraftfahrzeug-Verkehrswegen sowie auf Bahnstrecken begegnet.

Dabei beschreibt der Begriff „Amsel-Thrill“ eine Ausprägung des natürlichen Selbstgefährdungsverhaltens der gemeinen Amsel (Turdus merula) in Form einer ritualisierten Beinahekollision.

Das Ritual

Der Vogel lauert zumeist am Wegesrand auf den geeigneten Moment. Kleine Sträucher und Büsche sind gern genommene Verstecke der Amsel.

Nähert sich ein motorisiertes oder unmotorisiertes Fahrzeug ( z.B. Fahrrad, Auto, U-Bahn ), nimmt die Amsel Maß von Geschwindigkeit und Richtung des Verkehrsobjektes und passt eine bestimmte Distanz ab. Ist diese erreicht, quert der im Xhosa „umswi“ genannte Vogel im letztmöglichen Moment den Verkehrsweg, manchmal begleitet von aufgeregtem gackern. Der im Idealfall nur knapp verhinderte Zusammenstoß setzt eine große Menge an Adrenalin im Blutkreislauf der Amsel frei.

Risiken und Nebenwirkungen

  1. Die Amsel könnte zu früh losflattern, sodass der Thrill-Effekt ausbleibt. Der Verkehrsteilnehmer würde wohlmöglich gar keine Notiz von dem Versuch des Vogels nehmen.
  2. Der Verkehrsteilnehmer könnte sich stark erschrecken. Diese Ablenkung führt im unglücklichsten Fall zu Konflikten mit anderen Verkehrsteilehmern, gar mit tödlichem Ausgang.
  3. Auch der Amsel-Vogel kann natürlich bei Misslingen des Rituales verunglücken, wenn er den exakten Zeitpunkt zum Losfliegen verpasst. Zu den möglichen Todesursachen zählen das Erschlagenwerden durch das Verkehrsobjekt sowie die Zerhäckselung der Amsel in Fahrradspeichen.

Anmerkung:

Der Amsel ob des hohen Risikos aber eine chronische Suizidgefährdung zu unterstellen, entbehrt jeder Grundlage, da vor allem der dritte Risikofall bisher nahezu unbeobachtet blieb. Es geht dem Tier einzig und allein um den auf die Beinahekollision folgenden Adrenalinkick. Einerseits stillt dieser die angeborene Hyperaktivität der Amsel. Zum anderen steigert der Amsel-Thrill bei korrekter Ausführung die Potenz.

So attestieren Experten Amselpärchen, die sich regelmäßig den Thrill geben, eine höhere Chance auf Bruterfolg.

Imitationen im Tierreich

Zahlreiche Tierarten schicken sich an, das Phänomen des Amsel-Thrills zu imitieren. Neben weiteren Vogelarten begegnen einem immer häufiger Nagetiere im Straßenverkehr, die sich jedoch weitaus ungeschickter anstellen als die routinierte Amsel. Deshalb ist die Sterberate insbesondere bei Igeln und Mardern im Jahr 2015 nochmals angestiegen.

Auch menschliche Versuche, den Amsel-Thrill nachzuempfinden, führen oft zu Konfliktsituationen auf Bahngleisen und Autobahnen. Wissenschaftler streiten sich, ob sich die Betroffenen bloß die potenzsteigernde Wirkung des Adrenalin-Kicks zu Nutzen machen wollen.

Allgemein raten Experten jedoch dringend von diesem Imitationsverhalten ab. Ehrenamtliche verteilen zurzeit Aufklärungsbroschüren an die Risikogruppen wildgewordener Kleinsttiere in den Kerngefährdungsorten der meisten deutschen Großstädte.

Rechtliche Situation

Bisher gibt es keine Bemühungen des Bundes-Verkehrsministeriums, sich der Gefährdung, die durch den Amsel-Thrill entstehen kann, anzunehmen. Bayerische Verkehrsrechtlicher fordern, das Phänomen unter der Bezeichnung »Missbräuchliches Eindringen in Teilnehmer des Straßenverkehrs« in den Katalog der Straßenverkehrsdelikte aufzunehmen, nachdem erste Gerichte es abgelehnt haben ihn als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zu werten.

Zwar gibt es bereits erste Entwürfe für Verkehrsschilder, entsprechend dem Hinweisschild für Wildwechsel. Das Verkehrsministerium argumentiert jedoch dagegen, dass man ein solches Schild theoretisch alle 5 Meter aufstellen müsse, da die Gefährdung in nahezu jedem Stadt- und Waldgebiet auftreten könne.