Alexander Zverev erobert Tennis-Thron
29-jähriger Hamburger nach Sieg gegen Griekspoor No 1 der Weltrangliste
Was ist das für ein Jahr für den 29-jährigen Hamburger. Nach den Grand-Slam-Siegen in Paris und bei den US Open hat sich Alexander Zverev nun einen weiteren Traum erfüllt und mit dem Sieg im Achtelfinale beim Turnier in Wien gegen Tallon Griekspoor den Tennis-Thron erklommen. Ab Montag wird er offiziell als Nummer 1 der ATP Weltrangliste geführt. Damit ist er nach Boris Becker im Jahr 1991 der zweite Deutsche, dem das gelingt. Im Duell gegen den 30-jährigen Niederländer stellte Zverev sein derzeit unerschütterliches Nervenkostüm unter Beweis. Als vor dem Matchball einige Lichter der Werbebande auf der Gegenseite ausfielen, gab es eine kurze Unterbrechung. Die Verantwortlichen suchten eine Lösung, das irritierende Flackern zu unterbinden. Griekspoor half mit einem Lächeln mit seinem Handtuch aus und Zverev beendete das Match mit einem As.
Zverev hellwach bei den Big Points
Die Partie war zuvor von dominanten Aufschlagspielen beider Kontrahenten geprägt gewesen. Im ersten Satz hatte Zverev gleich im ersten Aufschlagspiel ein Break geholt und den Satz mit 6:4 für sich entschieden. Im zweiten Satz legte er beim Stand von 5:5 zu und holte sich das Aufschlagspiel des Niederländers. Dann zog er mit der größten Selbstverständlichkeit sein eigenes durch. Mit dem 6:4 7:6 Zweisatzsieg zieht der 29-Jährige nun ins Viertelfinale in Wien ein und ist nun die offizielle No 1 der Welt. Im Viertelfinale trifft er auf den Newcomer Arthur Fery, den er bereits im Halbfinale in Wimbledon geschlagen hatte.
Unabhängig vom weiteren Turnierverlauf wird Zverev die Weltranglisten-Position auch mindestens bis Jahresende verteidigen können. Auch sein derzeit größter Konkurrent, Carlos Alcaraz, hat mit einem 6:1 7:6 Sieg gegen den zweimaligen Hamburg-Champion Nikoloz Basilashvili das Viertelfinale von Wien erreicht. Dort trifft er auf den US-Amerikaner Tommy Paul. Im Finale könnte er auf Zverev treffen. Alcaraz greift nach einer langwierigen Handgelenks-Verletzung gerade wieder in das Geschehen ein und kann Zverev auch bei einem Turniersieg die Weltranglisten-Position nicht mehr streitig machen.
Auch Jannik Sinner kehrt nach einer Verletzung auf den Tennis-Court zurück, muss aber gleich zum Jahresbeginn zahlreiche Titel verteidigen. So könnte es sein, dass Zverev länger die Weltranglisten-Spitze halten kann. Boris Becker war nach seinem Sieg bei den Australien Open zwölf Wochen auf dem Tennis-Thron.
Nach vielen Rückschlägen am Ziel der Träume
Niemand kann sagen, was gewesen wäre, wenn Sinner und Alcaraz nicht mit Verletzungen ausgefallen wären. Aber auch Alexander Zverev musste zahlreiche Rückschläge hinnehmen. Bereits 2022 stand er kurz davor, die No. 1 der Weltrangliste zu werden. Im Halbfinale von Roland Garros lieferte er eine packende Partie gegen Rafael Nadal. Bei einem Sturz riss er sich sieben Bänder im Fußgelenk. Er verließ den Platz auf einem Rollstuhl und fiel monatelang aus
Alexander Zverev Foundation.
Die lange Pause nutze er dazu, die Alexander Zverev Foundation zu gründen. Die Stiftung soll helfen, weltweit an Diabetes erkrankten Kindern wirksame Medikamente zukommen zu lassen und damit die durch die Krankheit bedingten Einschränkungen in Grenzen zu halten. Bei ihm selbst wurde im Alter von vier Jahren eine Diabetes Typ 1 Diagnose gestellt. Ärzte prognostizierten, dass er niemals professionell Sport treiben könnte. Die Beharrlichkeit seiner Familie führten dazu, dass er die Grenzen überwand und heute zu den besten Tennisspieler der Welt gehört. Er hatte die Krankheit lange verschwiegen, war aber dann damit an die Öffentlichkeit gegangen, um auch Anderen zu zeigen, dass man auch damit alles erreichen kann. Zverev hat durchgesetzt, dass er in den Pausen auf dem Platz seinen Blutzucker-Spiegel messen und sich spritzen kann. Allein das ist in der Welt, wo niemand Schwächen zeigen will, eine echte Errungenschaft.
Offensiver Spielstils als Erfolgsgeheimnis
Auch ohne Grand Slam Siege lässt sich seine Erfolgsbilanz mit sieben ATP Masters-1000-Titeln, Olympia Gold 2ß21 in Tokio und Siegen bei den ATP Finals 2019 in London und 2021 in Turin sehen. Häufig wurden seine Rückschläge bei Best-of-Five-Turnieren auch auf die Krankheit zurückgeführt. Mit zwei Grand Slam Siegen innerhalb von vier Monaten und einer Finalteilnahme in Wimbledon hat er nun neue Maßstäbe gesetzt. Diese Erfolge kommen nicht von ungefähr. In der Saisonvorbereitung hat Zverev akribisch an seinem Spielstil gearbeitet und sich von einem Grundlinienspieler zu einem variablen Spieler entwickelt, der häufig den Weg zum Netz sucht. Mit dem offensiven Spielstil übt er stärkeren Druck auf seine Gegner aus und bestimmt zunehmend das Spielgeschehen. Die Grand Slam Erfolge haben zusätzliches Selbstbewusstsein gegeben. All das hat ihn zu einem kompletteren Spieler gemacht – auch die Niederlagen.
Fotos: © Beate Eckert-Kraft – www.imajix.de