Angst isst Derby auf

30. September 2018 17:35 contrast media Fußball , ,

Julian Pollersbeck

HSV und St. Pauli trennen sich im Stadtderby mit 0:0

Tagelang sorgte die 100. Auflage des Stadtderbys für prickelnde Stimmung in der Stadt. Der Hamburger SV und der FC St. Pauli trafen zum ersten Mal in der 2. Bundesliga aufeinander. Insgesamt sahen im Volksparkstadion und beim Public Viewing am Millerntor 72 000 Menschen. 2000 Fans hatten dem HSV beim Abschlusstraining eingeheizt. Auf dem Platz war dann weniger los. Beide Teams trennten sich mit einem enttäuschenden 0:0.

Der FC St. Pauli zog dem HSV, dem das 0:5 gegen Jahn Regensburg deutlich in den Klamotten steckte,  mit einer kompakten Defensiv-Taktik den Zahn. So entwickelte sich ein eher ereignisloses Spiel. Die Angst, ein Tor zu kassieren und am Ende als Verlierer dazustehen, stand 90 Minuten im Vordergrund. Es ist schade, aber wem will man das verdenken, wenn bei der Geschwindigkeit, mit der heute die Daumen über menschliche Existenzen gehoben oder gesenkt werden, die Sicherheitstaktik im Vordergrund steht. So kann man denn das Spiel frei nach dem Film „Angst essen Seele auf“ von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974 betiteln.

Sahin hat in der Nachspielzeit die Entscheidung auf dem Fuß

Cenk Sahin

Cenk Sahin sorgt mit einem 40-Meter-Schuss für das Highlight

Bis auf Kopfbälle von Bates und Arp brachte der HSV nach vorne wenig zustande. Zu selten konnte das Team von Christian Titz nach vorne Geschwindigkeit ins Spiel bringen. Der FC St. Pauli agierte zwar seltener offensiv, hatte aber insgesamt die etwas besseren Möglichkeiten. Am sehenswertesten war der 40-Meter-Kunstschuss von Cenk Sahin in der Nachspielzeit, den Julian Pollersbeck noch im Zurücklaufen über die Latte lenkte. Christopher Buchtmann war mitgelaufen und hätte den Ball wohl sicher verwandeln können: „Wenn allerdings Cenk Sahin am Ende das Ding reinmacht, ist das ein Weltklasse-Tor“, so der Mittelfeldmotor der Kiezkicker

Angesichts der Ereignislosigkeit des Spiels blieb es auch bei den Fangruppen am Rande der Veranstaltung ruhig. Das ist sicherlich ein positiver Effekt. Trotzdem hätten die Fans beider Teams ein „heißeres“ Derby verdient gehabt. Es ist nur Fußball.

 

Hamburg im Derby-Fieber

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