Mahnmal St. Nikolai neu eröffnet

26. Januar 2018 09:10 contrast media Aktuelles,Alt- und Neustadt,Architektur,Geschichte,Kirchen , ,

Blick auf das Mahnmal St. Nikolai von der Deichstrasse aus

Ein Fahrstuhl führt auf eine 76 Meter hohe Aussichtsplattform

Nach einer drei Jahre andauernden umfangreichen Sanierung wurde gestern der Turm des Mahnmals St. Nikolai wiedereröffnet. Nachdem sich 2011 Steine aus der Fassade lösten, wurde der Turm für Besucher gesperrt. Dabei arbeiteten sich die Handwerker auf einem Gerüst von der Turmspitze bis nach unten vor. Bei den Arbeiten wurden rund 22 000 Steine ausgewechselt und 35 Kilometer Fugen erneuert. Dabei verfolgten die Restauratoren das Ziel den Ruinencharakter und die sichtbaren Schäden aus dem 2. Weltkrieg für das Mahnmal zu erhalten. Die Sanierungskosten betrugen rund 14 Millionen Euro.

Mit einem Fahrstuhl können Besucher ab sofort wieder eine 76 Meter hohe Plattform erreichen, die einen großartigen Ausblick auf Innenstadt, Alster und Elbe bietet. Der 147,3 Meter hohe Turm ist der fünfthöchste Kirchturm der Welt. Bei seiner Fertigstellung in den Jahren 1874 bis 1876 war er sogar der höchste Turm der Welt.

Neuordnung des Mahnmals St. Nikolai

Mit der Instandhaltung des Turms ist erst der erste Teil der gesamten Arbeiten abgeschlossen. In der Folge soll im Rahmen eines Großprojektes in den Jahren 2024 bis 2028 für 5,1 Millionen Euro eine Neuordnung des Mahnmals St. Nikolai erfolgen, die das Projekt als Erinnerungsort architektonisch und pädagogisch in die Zukunft führt. Davon stammen 2 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus. Die übrigen 2,1 Millionen Euro teilen sich die Stadt Hamburg und die Stiftung Mahnmal St. Nikolai e.V.

Geschichte der St. Nikolai

Bereits im Jahr 1195 errichtete Graf Adolf III. von Schauenburg auf dem Gelände der Neuen Burg eine kleine Kapelle für Seefahrer. Sie wurde nach Schutzpatron der Seefahrer, dem Heiligen St. Nikolai benannt. Die Neue Burg war eine der größten Befestigungsanlagen Norddeutschlands. Als Nachfolge-Bau der Hammaburg, die als Keimzelle der heutigen Hansestadt gilt, bildete sie das wirtschaftlich-politische Zentrum der Stadt. Am benachbarten Nikolaifleet entstanden erste Hafenanlagen, die die Basis für die Entwicklung Hamburgs als Handelsstadt bildeten.

1250 wurde die Holzkapelle durch eine frühgotische Hallenkirche aus Backstein ersetzt. Mit dem Erfolg der Hanse entwickelte sich aus der kleinen Kapelle eine dreischiffige Pseudobasilika, die eine architektonische Mischung aus einer klassischen Basilika und einer Hallenkirche darstellt. Typisch ist die Backsteinarchitektur. Nachdem der Turm einmal mehrfach durch Unwetter und Brand Zerstörung erlebte, wurde 1589 ein neuer Turm mit filigraner barocker Architektur fertiggestellt. Mit einer Höhe von 120 Metern prägte er mehr als 250 Jahre das Hamburger Stadtbild. 1842 wurde die Kirche durch den Großen Brand komplett zerstört.

Die Grundsteinlegung der neuen St. Nikolai Kirche war im Jahr 1846. Der Engländer George Gilbert Scott hat den neugotischen Bau entworfen. Die Einweihung des dreischiffigen Kirchengebäudes fand 17 Jahre später statt. Bei den Luftangriffen der Operation Gomorrha im Jahr 1943  diente der Turm als höchstes Bauwerk der Stadt den englischen Piloten als Zielmarke. So blieb er als „mahnender Zeigefinger“ in einer komplett zerstörten Umgebung erhalten. Die Ruine erinnert heute als Mahnmal an die Schrecken des zweiten Weltkrieges. Angeschlossen ist ein Museum, das die traurige Geschichte dokumentiert.

.Fotos: © Beate Eckert-Kraft – www.imajix.de

 

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